Eisenbahn und Straßenbau
Die Eisenbahn erreicht Angersbach
Otto Schnell schreibt: „Im Winter 1870/71 waren die Arbeiten am Eisenbahnbau in unserer Gemarkung soweit fortgeschritten, daß der erste Zug aus Richtung Lauterbach den neugebauten Bahndamm befahren konnte. Es war ein sogenannter Arbeitszug, der zum Abtransport von Erdmassen eingesetzt wurde. Bei diesen Erdarbeiten am Kalkrain half auch eine Gruppe französischer Kriegsgefangener aus der Schlacht bei Sedan (Sept. 1870).1
Wenige Wochen später konnte unsere Bahnstrecke für den regelmäßigen Verkehr freigegeben werden, während die Strecke bis Lauterbach von Gießen her schon im Frühjahr befahren worden war. Der Durchstich bei der Wartenbach hatte sich als äußerst schwierig und zeitraubend erwiesen.
Unsere Gemeinde hatte versäumt, zur rechten Zeit auf die Errichtung eines Bahnhofs zu drängen. Erst 1873 wurde eine Haltestelle eingerichtet. Es hielten für die Folge einige Züge nach Bedarf. Ein Jahr später wurde mit dem Bau des Bahnhofsgebäudes begonnen. Das Ladegleis folgte im ersten Weltkrieg.
Die Gemeinde erklärte sich bereit, dazu 10.000 Mark und das erforderliche Gelände zur Verfügung zu stellen.“2
Das Bild rechts zeigt das ehemalige Bahnwärterhäuschen an der Wartenbach mit Bahnwärter Götz.

Foto: HBA
Zur Zeit des Eisenbahnbaus in Angersbach ab 1870 gab es das Bundesland Hessen (wie wir es kennen) noch nicht. Die Landstände des Großherzogtums Hessen bildeten die Vertretung der Untertanen gegenüber Großherzog und Regierung zwischen 1820 und 1918.3 Diese Landstände schlugen im Rahmen der Verhandlungen für das Budget 1891/94 vor, dass Angersbach einen Güterschuppen und ein Stationsgebäude erhält.4



Foto: HBA
Ausbau der Landstraße
Otto Schnell: „Im Jahre 1832 begann der Ausbau der Landstraße, der heutigen Bundesstraße 254. Innerhalb des Dorfes hatte es bis dahin noch keine Brücke gegeben. Das von Rudlos kommende Dorfwasser mußte vor dem Neuen Wirtshaus durchquert werden. Im Zuge des Ausbaues der neuen Straße verschwand diese Furt, und Angersbach bekam seine erste Brücke. Von der Gr0ßmühle aus führte diese Landstraße am Mühlgraben entlang. Deshalb stehen auch die Häuser Lauterbacher Straße 21, 25, 27 und 29 mit der Rückseite zur heutigen Bundesstraße.“5
Ähnliches schreibt Wilfried Hilbrig: „Wichtig war der Ausbau der Durchgangsstraße, heute Bundesstraße B 254, der 1832 begann. Dadurch wurde im Ortsbild viel verändert. Die Straße, die dicht an der Lauter entlang führte, wurde landeinwärts gelegt, wo sie heute verläuft. Es gibt noch alte Häuser, deren Vorderseite zum Wasser steht.“6
Im Jahre 1931 bekam die damalige Reichsstraße eine Teerdecke. Verbreitert und im Dorf beiderseits mit Bürgersteigen versehen wurde die Bundesstraße in den Jahren 1955/56.7
- Siehe hierzu auch Hilbrig, LzJ, S. 317 mit Wiedergabe der Ortschronik Landenhausen: „Wären nicht in Angersbach eine Anzahl gefangener Franzosen, die bei dem Bau der Eisenbahn in der Wartenbach beschäftigt wurden, interniert gewesen, so hätte man in der hiesigen Gegend von diesen gebändigten Feinden des Vaterlandes … nicht einmal etwas gesehen.“ ↩︎
- Vergangenheit und Gegenwart, S. 147. ↩︎
- Wikipedia. ↩︎
- Verhandlungen, pdf S. 815 ff. ↩︎
- Vergangenheit und Gegenwart, S. 147. ↩︎
- Aus Angersbachs Geschichte erzählt, S. 63. ↩︎
- Vergangenheit und Gegenwart, S. 147. ↩︎
