Angersbacher und Wartenberger Bürgermeister1
Zentgraf – Schultheiß – 2 Bürgermeister
In der Stadt Lauterbach stärkte sich im 16. Jahrhundert mehr und mehr die Bedeutung des Rates, während die Vorstädte mit den Dörfern Angersbach und Maar immer noch die Zent Lauterbach bildeten, mit dem Zentgrafen an der Spitze, den die Riedesel einsetzten. Der Zentgraf setzte in die Dörfer, so auch in Angersbach, den Schultheiß ein.
Angersbach hatte, wie die anderen Dörfer, eine kleine Selbstverwaltung, zwei Bürgermeister, die jährlich gewählt werden mussten, davon ein Bauer und ein Hintersiedler, die dem Schultheißen bei den Sitzungen assistierten. Aber der wichtigste Beamte war der Schultheiß selbst, der auch in so wichtige Kirchenangelegenheiten wie dem Kirchenbau, jedesmal mit dem Pfarrer berät und unterzeichnet.2
1806 – Die Schultheißen danken ab
Erst seit der Eingliederung des Riedesellandes ins Großherzogtum Hessen – das war 1806 – hatten die Dörfer statt der Riedeselischen Schultheißen nun Bürgermeister als die allein Maßgeblichen.3
Nachfolgend eine Aufstellung über die Angersbacher Bürgermeister:
Um 1647: David Schnell und Heinrich Prediger
Die Informationen sind überliefert durch die Urkunden im Angersbacher Turmknauf.

1763: J. Heinrich Wahl

Aufgrund des Einsturzes eines Teils der Kirche 1762, wurde im Jahr 1763 ein Bauvertrag zwischen dem Kirchenbaumeister Veit Koch und Deputierten der Kirchengemeinde Angersbach geschlossen, unter denen auch J. Heinrich Wahl zu finden ist. Der Einweihungsgottesdienst der erneuerten Kirche fand 1766 statt, obwohl die Fertigstellung bereits 1764 erfolgt war.4
1770: C. Möller
Lehrer Eckstein verfasste im März 1936 eine Aufstellung von Urkunden, die ihm von Bürgermeister Johannes Fehl übergeben wurden. In der Aufstellung befindet sich ein Eintrag, der auf Bürgermeister C. Möller verweist.

1834: Johann Heinrich Wahl5
Da der 1834 verstorbene Orgelbauer Johann Heinrich Völler sein Heimatdorf Angersbach mit einem Legat von 1000 Talern bedacht hatte, machte sich Wahl mit einem Begleiter zu Fuß nach Kassel auf und konnte das Geld dort in Empfang nehmen.
? – 1843: Heinrich Schnegelberger

Lehrer Eckstein verfasste im März 1936 eine Aufstellung von Urkunden, die ihm von Bürgermeister Johannes Fehl übergeben wurden. In der Aufstellung befindet sich ein Eintrag, der auf Bürgermeister Schnegelberger verweist. Das Angersbacher Kirchenbuch gibt als Geburtsdatum den 10.6.1785 und als Sterbedatum den 18.9.1843 an.
Der Angersbacher Chronist Christoph Möller schreibt hierzu: „Er war ein angesehener Mann und hat in vielen Ämtern gestanden: Blutschöffe, Taxator, Gemeinderechner und zuletzt Bürgermeister. Er war ein guter Ratgeber und hat den Prozeß um den Kartoffelzehnten geführt und gewonnen. (…) bei der neuen Wahl vor vier Wochen wurde ihm das Amt genommen, indem ihm keine Stimme zuteil geworden war.“6
Bis 1886: Heinrich Ortwein
Überliefert ist, dass Ortwein den folgenden Streit schlichtete: Veranstalter der Kirmes, die im Alten Wirtshaus7 gefeiert wurde, waren die drei Burschenspinnstuben. Die jüngste Partie tanzte in der Wirtsstube unten links; erst mit den Jahren stiegen sie auf. Die beiden älteren Gesellschaften losten zuerst aus, wem der Saal zustünde. Da der jeweilige Verlierer wirklich eine Niete zog, er mußte nämlich mit dem „Buden“, der Oberstube, vorlieb nehmen, kam es häufig zu Mißstimmungen. Deshalb entschied Bürgermeister Ortwein kurzerhand, daß in Zukunft die beiden Partien alljährlich zu wechseln hätten.8
- 1886-1904: Johannes Kircher
1904-1931: Heinrich Ferdinand Rodemer

In Rodemers Amtszeit fiel die in den Jahren 1926 bis 1933 durchgeführte Flurbereinigung in Angersbach.9 Rodemer stammt aus ‚Breggedreesch“.
1931-1933: Heinrich Renker
1933-1937: Johannes Fehl
Lehrer Eckstein verfasste im März 1936 eine Aufstellung von Urkunden, die ihm von Bürgermeister Johannes Fehl übergeben wurden. Eckstein teilt in einem Übersendungsschreiben vom März 1936 an das Hessische Staatsarchiv mit, dass Fehl Anfang 1936 fristlos entlassen worden sei.

1937-1945: Georg Schäfer
Georg Schäfer vertrat nach der Entlassung Fehls diesen wohl in seiner Funktion als 2. Beigeordneter, bevor er „regulär“ Bürgermeister wurde. Dies ist einem Schreiben des Lehrers Eckstein an das Hessische Staatsarchiv aus März 1936 zu entnehmen.

1945-1949: Heinrich Heckmann
Der zunächst von der amerikanischen Besatzungsmacht eingesetzte Bürgermeister Heinrich Heckmann leitete bis zum 17. März 1946 die Amtsgeschäfte. Von den am 27. Januar 1946 durch die Bürger gewählten Gemeindevertretern Andreas Eichenauer, Heinrich Post, Heinrich Renker 13., Heinrich Stürz, Konrad Wahl 12., Heinrich Wahl 29. und Johannes Walter wurde Bürgermeister Heckmann einstimmig in seinem Amt bestätigt.10
1949-1966 : Heinrich Weber

Nach dem Neuaufbau der gemeindlichen Selbstverwaltung und den Gemeinderatswahlen wurde im Jahre 1949 Heinrich Weber und 1966 als sein Nachfolger Karl Hans Roth zum Bürgermeister in Angersbach gewählt.11
1966 – 1991: Karl Hans Roth

Angersbach suchte einen neuen Bürgermeister, weil Amtsinhaber Heinrich Weber nicht mehr antrat. Aus ganz Deutschland trafen im März 1966 Bewerbungen ein, denn hauptberufliche Bürgermeisterstellen waren damals noch rar. In die engere Auswahl schafften es Kreisoberinspektor Karl Hans Roth (38, SPD), der im Landratsamt arbeitete und in Lauterbach Stadtverordnetenvorsteher war, der parteilose Horst Grau (33), der bei der Staatlichen Hochschule für bildende Künste in Kassel beschäftigt war, und SPD-Mitglied Siegfried Klee (30), der bei der hessischen Landesvertretung in Bonn arbeitete. Im vollbesetzten Saal des „Löwen“ wurde geheim gewählt. Karl Hans Roth bekam acht, Grau fünf und Klee keine Stimmen. Klee ließ sich davon nicht nachhaltig beeindrucken. 1970 trat er in der Stadt Schlitz an und wurde dort zum Bürgermeister gewählt.12


- 1991-2015: Manfred Dickel (parteilos)
- Seit 2015: Olaf Dahlmann (SPD)
Den von 1942-1945 zur Wehrmacht einberufenen Bürgermeister vertrat der Beigeordnete Heinrich Schul. In der Zeit zwischen den Bürgermeistern Heckmann und Weber führte einige Wochen der Beigeordnete Johannes Stock die Geschäfte.13
- Soweit nicht mit einer Fußnote versehen, stammen die Namen der Bürgermeister aus Vergangenheit und Gegenwart, S. 109. ↩︎
- Aus Angersbachs Geschichte erzählt, S. 46 f. ↩︎
- Aus Angersbachs Geschichte erzählt, S. 64. ↩︎
- Aus Angersbachs Geschichte erzählt, S. 35 f. ↩︎
- Aus Angersbachs Geschichte erzählt, S. 134; Vergangenheit und Gegenwart, S. 83. ↩︎
- Wiedergegeben in Angersbacher Begebenheiten 2, S. 61. ↩︎
- Im Jahr 2023 abgerissenes Gasthaus „zum Löwen“ („Altwirts“). ↩︎
- Vergangenheit und Gegenwart, S. 132. ↩︎
- Vergangenheit und Gegenwart, S. 137. ↩︎
- Vergangenheit und Gegenwart, S. 99. ↩︎
- Streifzug, S. 39. ↩︎
- Lauterbacher Anzeiger, 30.1.2013. ↩︎
- Vergangenheit und Gegenwart, S. 109. ↩︎
