Steinbergfeier, Frühlings- und Wartebachfest
Das Steinbergfest

Jährlich an Christi Himmelfahrt findet seit 1963 das „Steinberg-Schießen“ oder die „Steinberg-Feier“ statt. Hier kann jeder mitfeiern, ob Vereinsmitglied oder nicht. Am Steinberghüttchen werden Getränke, Essen und Kuchen serviert. Groß und Klein können mit dem Luftgewehr ihr Glück versuchen und vielleicht sogar einen Preis gewinnen. Organisiert vom Schützenverein Angersbach wird der Frühlingstag genutzt, um dem Alltag zu entfliehen und ein paar schöne Stunden mitten im Wald zu verbringen. Nicht nur Angersbacher nutzen die Gelegenheit, man trifft hier auch Bekannte aus Nachbargemeinden, die den Ort zu schätzen wissen.1
Das Frühlingsfest auf dem Steinberg bis 1870/71
Die jetzige Steinbergfeier hieß bis zum Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 „Frühlingsfest“. Otto Schnell schreibt hierzu im Jahr 1963:
„Nördlich von Angersbach erhebt sich der fast 500 m hohe Steinberg. Dort feierte unser Dorf mit den umliegenden Orten früher sein Frühlingsfest. Am Himmelfahrtstage wanderte jung und alt auf die bewaldete Höhe. Der Alte Wirt hatte die Wirtschaft. Auf einem mit Kühen bespannten Wagen fuhr er Bier und Schnaps zum Festplatz. Natürlich fehlte es auch nicht am Essen. Die Musikkapelle saß auf einem Holzpodest hoch oben in einer alten Eiche, zu dem eine Treppe emporführte. Von dort genoß man einen herrlichen Fernblick. Als Holzhauer die Eiche fällten, weil sie morsch geworden war, wurde die Stiege versteigert. Ein Andreas Wahl, Bauer in Eckemanns (Pfarrgase 19), erwarb sie, und bis zum heutigen Tage dient sie noch als Aufgang von der Scheune zum Stallboden.
Auf einer kreisrunden Tanzfläche inmitten des Waldes kam die Jugend zu ihrem Recht. Diese Stelle ist heute noch gut zu erkennen und trägt im Volksmund den Namen Hexentanzplatz. Vielleicht weist uns die Bezeichnung auf altheidnisches Brauchtum hin. Dann müßte das Frühlingsfest auf dem Steinberg schon in germanischer Zeit gefeiert worden sein. Seit dem Kriege 1870/71 ist der festliche Lärm zur Maienzeit verstummt. Nur die Waldvöglein zwitschern dort oben ihr lustiges Lied.“2

Frühlingsfest reloaded
Ziemlich genau 100 Jahre später fand im Jahr 1969 allerdings doch noch mal ein Frühlingsfest statt, allerdings nicht auf dem Steinberg und losgelöst von traditionellen Feiern. Zu Gast in Angersbach war die damals angesagte Beat- und Rockband „The Petards“ (die übrigens auch das Herzberg-Festival mitbegründet haben).
Das Wartebachfest

Das Frühlingsfest auf dem Steinberg endete 1870/71, wohl auch weil die Menschen zu jener Zeit andere Sorgen hatten. Ab 1880 wurde stattdessen das Sedansfest auf dem Wartebachhügel gefeiert. Bei Sedan wurde die französische Armee im deutsch-französischen Krieg geschlagen. Aus Freude darüber rief der Angersbacher Kriegerverein das Sedansfest aus. Ein Schießstand befand sich auf der unteren Ebene der Ruine. Mit Beginn des 1. Weltkriegs 1914 endete auch diese Tradition.
Erst im Jahr 1925 veranstaltete der in diesem Jahr neu gegründete Turnverein wieder ein Wartenbachfest, das eher sportlichen Charakter hatte.3
Am 31. Juli 1932 führte dann der Männergesangverein ‚Eintracht‘, statt eines Jahresausflugs, zusammen mit dem Kirchengesangverein einen Jugend-Sonntag auf dem Wartenbach-Hügel durch. Die ‚Heimatglocken“ berichten hierzu in Heft 5 am 10. Oktober 1932:
„Die Wartenbach mit ihren schattenspendenden Linden und mit dem wunderbaren Ausblick über den Wiesenteppich des Angersbacher Grabens bis hin nach Lauterbach und auch nach der anderen Seite hin nach dem preußischen Badestädtchen Salzschlirf ist der rechte Ort für einen solchen Tag. Leider hatte man die Wartenbach in den letzten vier Jahren ganz vergessen. Aber warum immer in die Ferne schweifen, wo das Gute so nahe liegt. Bei Musik, Gesang und Spiel und allerlei Überraschung für die Kinder brachte der Tag allen Teilnehmern einige recht frohe Stunden.„4
Nach dem verlorenen 2. Weltkrieg führte der Turnverein in den 50er Jahren das Wartenbachfest wieder ein, das Interesse daran erlosch allerdings kurz darauf Ende der 50er Jahre, bis dann der neugegründete Carneval-Club-Zeppe die Tradition jährlich im August wiederbelebte. Als 1982 das 10-jährige Bestehen der Großgemeinde Wartenberg gefeiert wurde, wählte man als Festplatz den Ort, von dem die Gemeinde ihren Namen ableitet. Die Fördergemeinschaft zur Rettung der Burgruine organisiert in der Folge das Wartenbachfest jährlich am 1. Mai.5
- Siehe auch Website des Schützenvereins Angersbach. ↩︎
- Vergangenheit und Gegenwart, S. 131; siehe auch: Die Wartenberger und ihre Burg, S. 86. ↩︎
- Die Wartenberger und ihre Burg, S. 86. ↩︎
- Aus Angersbachs Geschichte erzählt, S. 75 f. ↩︎
- Die Wartenberger und ihre Burg, S. 86; siehe auch Hilbrig, aus Angersbachs Geschichte erzählt, S. 97 f. ↩︎
