Weshalb hat Abt Bertho den Beinamen „Fingerhut“?

Der richtige Name von Abt Bertho ist: Bertho von Leibolz. Als Abt wurde er dann genannt Fürstabt Bertho II. von Leibolz1. Allerdings taucht weder in alten Büchern2 noch in alten Urkunden die Bezeichnung oder der Beiname Fingerhut auf.

Auf Wikipedia ist zu lesen:

Merkwürdigerweise hat sich wohl nur durch eine Fußnote in einer Ausgabe der Buchonia von 1829 von Dr. Joseph Schneider der Beiname Fingerhut verfestigt, obwohl die von ihm erwähnte „alte Schlitzer Chronik“ nicht mehr auffindbar ist.

Statt von einem einfachen Namenszusatz auszugehen, wie er zu der Zeit üblich war (z.B. Eisenbach genannt Riedesel) und eine Herkunft der Familie aus dem Raum Fritzlar oder Gelnhausen anzunehmen, wo der Name „Fingerhut“ noch heute zu finden ist, wurde aus dem „kühnen, kräftigen Mann“ (Ausschnitt links, wieder Schneider, 1840) ein Zwerg. Auch Ludwig Bechstein dichtete ihm dann im Jahr 1842 die kurze Gestalt an. Ab da nahm der größte Burgenzerstörer des Fuldaer Landes unversehens geschrumpft seinen Weg in zahlreiche Chroniken, Reiseführer und Romane.“5

Aber: Es ist sehr wohl davon auszugehen, dass diese „alte Schlitzer Chronik“ tatsächlich existiert(e) und auch den Namen Fingerhut erwähnte. Denn in einem Schreibbuch („Tagebuch“) trägt der Angersbacher Andreas Möller bereits im Jahr 1757 Folgendes ein (also vor der Buchonia Dr. Schneiders 1829):

“1261 (richtig: 1265) ist wartenBach, Blankenau, Eißenbach und andere raubSchlößer Verstört worden. Abt FingerHut aus Fuld hat die Schlößer Verstöhrt.“6

Also ab auf die Suche nach der alten Schlitzer Chronik.

  1. Leibolz ist ein Ortsteil von Eiterfeld mit ca. 400 Einwohnern. Es ist davon auszugehen, dass Bertho von Leibolz aus diesem Ort stammt (Lübeck, alte Ortschaften des Fuldaer Landes, Band 1, S. 130). ↩︎
  2. Nicht bei Brower (1612) oder Schannat (1729). ↩︎
  3. Schneider, Naturhistorische Betrachtung des Rhöngebirges, 1840, S. 330 ↩︎
  4. Bechstein, Sagenschatz des Frankenlandes, 1842, S. 99 ↩︎
  5. Wikipedia. ↩︎
  6. Angersbacher Begebenheiten 2, S. 160. ↩︎