frühe nennungen des Dorfs „Angersbach“
Nachfolgend dargestellt werden drei markante Texte aus den Jahren 812, 885 und 1114. Diese sollen aufzeigen, in welchen unterschiedlichen Arten von sehr frühen Urkunden Beschreibungen des Orts Angersbach (812), der „Herren von Angersbach“ (1114), aber auch der umliegenden Straßen (885) vorhanden sind.
812: Kleine Schlitzer Grenzbeschreibung anlässlich der dortigen Kirchweihe


Die Gründung Angersbachs dürfte zwischen den Jahren 700 und 800 liegen. Zwar wurden unter der Burgruine Gegenstände gefunden, die auf das Jahr 200 n. Chr. hindeuten. Allerdings standen zu dieser Zeit dort nur einzelne Häuser, es dürfte sich also höchstens um einen Weiler1 gehandelt haben. Erstmals urkundlich erwähnt wird „Zangeresbah“ 812 im „Codex Eberhardi“ (linkes Bild). Der Fuldaer Mönch Eberhard fertigte ca. im Jahr 1150 Abschriften der im Kloster gesammelten Besitzurkunden aus früherer Zeit an. Ursächlich hierfür war die Einweihung der Schlitzer Kirche, verbunden mit einer Grenzbeschreibung des Kirchsprengels. Rechts eine Abschrift aus dem Werk von Dronke, Traditiones, S. 58.
„Kapitel. 18. 19. 20. 18. Über die Einweihung und Grenze der Kirche in Slitise (Schlitz) 1). (175) Im Jahre 812 n. Chr. wurde auf Wunsch von Baugulf, Abt des Klosters Fulda, von Richolf, ehrwürdigem Erzbischof der Mainzer Kirche, die Kirche in der Stadt Slitise geweiht. XII. kl. octbr. zu Ehren der heiligen Jungfrau Margarete. Es handelt sich dabei um die durch eine kirchliche Genehmigung bestätigte Begrenzung derselben Kirche. Von der Steinbrücke zwischen Lantenhusen und Zangeresbah bis zur Quelle im Dorf, das Ungefures heißt.
Von dort nach Sterrenrot. Von dort zu den Libolfolfes (=Liebolfes, Wüstung). Von dort weiter zum Dorf, das Musles heißt. von dort nach Limberg. dann zu den Wigandes. von dort zum oberen Lutherenbach. von dort zum Fluss, der bei Hunoltes liegt. Dann zu dem Ort namens Warta. Von der Warta bis zur Quelle des Holenbachef. Bis auf den Grund. von dort zum Hügel, der unterhalb der Mühle von Ruprahdes liegt. von dort zur öffentlichen Straße. von dort hinunter zur Linde. von dort nach Antrefa. von dort nach Fronerot. dann rauf zur öffentlichen Straße. von dort nach Breitenbach. von dort nach Elbuinnesrod. Dann bis vchenbach. von dort nach Liederbac. von dort nach Wolfhelmsesbrunnen. von dort abwärts nach Sualmanaha. dann in Breitenbach. von dort hinauf zur Straße. von dort nach Tegenboldesrot. dann nach Engezenhoue. Von dort nach Esgenbach.“2
Der obige Text wird auch „kleine Schlitzer Markbeschreibung“ genannt.3
8. Jahrhundert – unruhige Zeiten
„Man muß einmal bedenken, welch unruhige, ereignisreiche Zeit es auch sonst war. Von Skandinavien aus begannen die seeräuberischen Normannen, die Wikinger, ihre Eroberungszüge nach Mittel- und Südeuropa. Ganz Nordafrika und Spanien war bereits von den Arabern erobert. Von Osten drangen die Slawen in die von den Germanen verlassenen Gebiete im Raum zwischen Oder und Erzgebirge vor.
In dieser Zeit können wir die Gründung des Dorfes Landenhausen (Anm: und Angersbach) ansetzen, etwa zwischen 700 und 800, also im 8. Jahrhundert.“4
„Von der Steinbrücke zwischen Lantenhusen und Zangeresbah bis zur Quelle im Dorf, das Ungefures heißt.“
(Codex Eberhardi)
Wie sehr man bei den Nachforschungen vom „Hölzchen aufs Stöckchen kommt“ sieht man schon bei den oben genannten – überwiegend unbekannten – Orts- oder Flurnamen. Ungefures und Lutherenbach kann mancher Ortsansässige vielleicht noch nachvollziehen. Aber auch wenn man sich z.B. sicher ist, dass „Hunoltes“ das untergegangene Hunolds bedeuten soll (siehe Karte rechts), wird man nach dem Lesen des unten folgenden Textes schon unsicher, wenn der Verfasser statt von der Wüstung „Hunoltes“ von dem Ort „Heblos“ ausgeht:


Die nebenstehende Aufstellung stammt aus den „Regesten“ von Eduard Scriba und betrifft wie oben das Jahr 812 (Seite 11, Nr. 178, siehe Quellen). Wer also nur wegen dieses kleinen Details (Hunoltes = Heblos oder Hunolds?) tiefer in die Materie einsteigen möchte, müsste z.B. klären, ob es Heblos oder die jetzige Wüstung Hunolds damals (812) überhaupt schon gab. Wikipedia: „Der Ort (Heblos) wurde erstmals 812 als Hebenoldes urkundlich erwähnt.“
Die in der Schlitzer Markbeschreibung von 812 vorkommenden Ortsnamen sind übrigens Gegenstand zahlreicher Abhandlungen in der Literatur.3
1114: Schenkungen Friedrichs von Angersbach an die Fuldaer Kirche

Über das Datum hinaus ist interessant, an welcher Stelle und zu welchem Anlass der Name unseres Dorfs, aber auch der Nachname „Angersbach“ genannt wird. Zum Beispiel sind dies historische Urkunden, welche Grenzverläufe regeln (wie oben), aber auch Schenkungen, wie der rechts nebenstehende Eintrag aus dem Jahr 1114. Hier treten die „Herren von Angersbach“ erstmals in Erscheinung.
Die nachfolgende Quelle schildert diesen Textauszug („Regest“) aus dem Jahr 1114 ausführlich. Die Übersetzung erfolgte durch den von mir befütterten Google Übersetzer (Latein -> deutsch).

Jahr 1114
Verschiedene Schenkungen unter Abt Erlolf.
Im Namen der Heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit. Es ist bekannt, dass Heinrich von Lantenhusen am Altar des Märtyrers Bonifatius von seinen Gütern 10 Solidi im Dorf Sterrenrode darbrachte, sowohl für sich selbst als auch für seinen Sohn Heroldo, einen Mönch in der heutigen Kirche. Dann opferte Friedrich von Angerbach zur Heilung seiner Seele ebenfalls im selben Dorf Sterrenrode 5 Solidi, und so wurde jede Steuer den Brüdern als Opfergabe gegeben, und er zahlte 15 pro Jahr, über die ein gewisser EGGIHARDUS, ein treuer und ehrlicher Mann, der sowohl Güter von den Brüdern hatte als auch treu die gleiche jährliche Abgabe zum Kloster brachte, verantwortlich war.
Aber nach einigen Jahren starb einer unserer Ministerialen, BERNGOZ de SPANELO, und wurde bei uns begraben, für dessen Seele seine Eltern ein Pfarrhaus im Dorf Mecelinrot anboten und 5 Solidi zahlten. Daher kam der oben erwähnte EGGIHARDUS und bat die Brüder, dieses Pfarrhaus wie die vorherigen 15 einzurichten. Er würde dem Solidus noch fünf weitere hinzufügen und von allen jährlich ein volles Talent bezahlen. Die Brüder erlaubten dies daher unter der Bedingung, dass entweder derselbe Eggihard oder seine Erben das Talent nicht wie vereinbart jährlich von den Gütern in Sterrenrode bezahlen und die Güter selbst amortisieren und das oben genannte Pfarrhaus in Mecelnrode der Kirche zurückgeben; Damit diese Konvention jedoch fest und unerschütterlich bleibt, haben wir beschlossen, dass die vorliegende Charta niedergeschrieben und mit dem Siegel unseres Schutzpatrons, des hochverehrten Märtyrers Bonifatius, unterzeichnet wird. Diese Dinge geschahen im Jahr der Menschwerdung des Herrn, 1114. Anklage. VIII. Während der Herrschaft Abts Heinrichs Imp. ERLOLFO. GOZMARO, Anwalt. WARMUNDO, Dekan.
885: Eine „Landesstraße“ in der Nähe von Rudlos

Im rechten Auszug mit Jahresangabe 885 wird die „Landesstraße“ zwischen Liebolfes und Sterrenrodes genannt. Dies sind untergegangene Orte in der Nähe von Rudlos. Ist mit Birchense (im Birkes) vielleicht unser „Birkig“ bei der Burgruine gemeint?6
Auf diesen Auszug bezieht sich auch das Büchlein „alte Strassen in Hessen“ aus dem Jahr 1893, aber auch auf den obigen Eintrag aus 812:


- Ein Weiler ist eine Siedlung, die aus wenigen Gebäuden besteht, also kleiner als ein Dorf und größer als eine Einzelsiedlung (Wikipedia). ↩︎
- Siehe auch Übersetzung bei Hilbrig, aus Angersbachs Geschichte erzählt, S. 13. ↩︎
- Ganz ausführlich zur kleinen und großen Schlitzer Grenzbeschreibung mit weiteren Quellen: Hilbrig, Landenhausen in zwölf Jahrhunderten, S. 32 ff. ↩︎
- Hilbrig, Landenhausen in 12 Jahrhunderten, S. 25. ↩︎
- Ganz ausführlich zur kleinen und großen Schlitzer Grenzbeschreibung mit weiteren Quellen: Hilbrig, Landenhausen in zwölf Jahrhunderten, S. 32 ff. ↩︎
- Das ist zweifelhaft. Ein Forscher namens Haas schreibt im Jahr 1912: „(…) und von da an der Quelle und dem Ufer des südlichen der beiden Bächlein, aus denen die Zilbach entsteht, hinab zum Birkensee, der ehedem dadurch gebildet wurde, daß eine (noch heute wohlerhaltene) Talsperre gleich nach der Vereinigung der beiden Quellbäche die schmale Talschlucht abschloß.“ (Haas, alte Fuldaer Markbeschreibungen, Fuldaer Geschichtsblätter 1912, S. 113 ff.). ↩︎
