Geschichten von den dorfbewohnern
Dörre Karlche

Wenn man beim „Dörre-Karlche“ in die Werkstatt kam, die für die damalige Zeit sehr gut ausgerüstet war, saß er an der Schnitzbank oder er arbeitete an der Fräsmaschine und fertigte Holzschuhe.

Manchmal traf man ihn auch am Dachboden in seiner Vogelvoliere, wo er junge Dompfaffen fütterte und ihnen das Pfeifen eines Liedes beibrachte. Die Zucht von Kanarienvögeln und Mischlingsvögeln betrieb er sehr sorgfältig. Stets war er zu Sprüchen und Späßen aufgelegt, so auch als er wegen Herzproblemen im Eichhofkrankenhaus verweilen musste:

Die Visite mit Ärzten und Schwestern kam zum Karlche ans Bett, der Stationsarzt erklärte ihm, dass er einen Herzschrittmacher benötige und wie dieser funktioniert. Karlche sagte zum Arzt: „Herr Doktor, jetzt sind se mal ruhig. Was gibt’s denn, wenn meine Alte mit mir uneinig wird und den Stecker rauszieht?“2

De „Zehdokter“

Als Zahnarzt fungierte der Dr. Lehnard; er hatte die Praxis im Dachgeschoss des Gasthauses Rudolf Walter. Mancher Patient zog es vor, vor der Behandlung mit ratterndem Bohrer und Zange erst die Wirtschaft beim Rudolf aufzusuchen und ein Kännchen Schnaps zu trinken.

Der Behandlungsstuhl stand unmittelbar am Giebelfenster, mit dem Spülbecher nahm man es nicht so genau, damit hatte man sich abzufinden. Vorteilhaft beim Bohren und Zahnziehen war, dass man die Lauterbacher Straße gut einsehen konnte.3

  1. Vergangenheit und Gegenwart, S. 159; zur Aufklärung: Boeschd=Burschen und Keng=Kinder. ↩︎
  2. So war’s, S. 60. ↩︎
  3. So war’s, S. 64. ↩︎
  4. So war’s, S. 64. ↩︎
  5. Vergangenheit und Gegenwart, S. 163. ↩︎