Das Angersbacher und Wartenberger Wappen

Worauf basiert das Angersbacher und Wartenberger Wappen?

Dazu berichtet die Fördergemeinschaft zur Rettung der Burgruine1:

„Bei der Klärung der Verhältnisse an der Südostecke der inneren Ringmauer (…) wurde ein Hilfssuchgraben von außen angelegt. Dabei wurde eine kleine, etwa 7 cm hohe vergoldete bronzene Wappenapplike mit dem Wappen der Wartenberger entdeckt, das auf blauem (oder grünem) Grund einen weißen Schrägbalken zeigte, der, vom Betrachter aus gesehen, von links oben nach rechts unten zieht und im rechten Feld von einem goldenen Stern überhöht wird.“

Wappenapplike wurde um 1940 entdeckt

Die Wappenapplike kann somit frühestens um das Jahr 1940 im Rahmen der Ausgrabungen durch Karl Maurer gefunden worden sein.

Allerdings schreibt Georg Wagner bereits in einem Buch aus dem Jahr 1854, also knapp 100 Jahre vorher: „Nach Wartenberg nannte sich eine Familie, deren Wappen aus einem rechten Schrägbalken in einem mit Sternen besetzten Felde bestehet, welche Familie zuerst 1232 mit Friedrich vorkommt (…)“.2

Er bezieht sich in der Fußnote auf Georg Landau. Dieser schreibt schon im Jahr 1836: „Das Wappen der v. Wartenberg zeigte einen Schild mit einem von der obern rechten Seite nach der untern linken laufenden Balken. In dem Wappen Heinrichs v. W. (1252) ist derselbe verziert, in denen der beiden Friedriche (1328 u. 1353) dagegen das übrige Feld des Schildes mit Würfeln bestreuet. Dann ist auch in dem Wappen des letztern der Balken schlangenförmig gewunden.“3

Zwei Fragen

  • Warum beschreibt er den Verlauf des Balkens von oben rechts nach unten links?
  • Und weshalb konnte Landau das Wappen beschreiben, wenn er die Applike im Jahr 1836 noch gar nicht kannte? Und der Balken in der Applike ist auch nicht ’schlangenförmig gewunden‘.

Zwei Erklärungsversuche

  • In der Heraldik wird das Wappen aus der Sicht des Schildträgers gesehen. „Rechts“ ist die vom Betrachter aus linke Seite, „links“ ist die vom Betrachter aus rechte Seite des Wappens.4 Vermutlich hat Landau das Wappen also aus heraldischer Sicht beschrieben.
  • Die Beschreibung des Wappens der von Wartenberg hat Landau vielleicht aufgrund alter Siegel vorgenommen. So haben Theoderich von Wartenberg (Dietrich5) und sein Schwiegersohn Trabodo mit dessen Söhnen am 17. August 1270 oder 12786 dem St. Johann Spitalhaus7 zu Grebenau das Dorf Rod samt Äckern, Gebäuden und Ungebäuden etc. für 5 1/2 Talente fuldischer Heller verkauft.8 Diese Urkunde wurde mit dem Wappen der von Wartenberg gesiegelt, wobei ich nicht sagen kann, wem welches Siegel zuzuordnen ist (Theoderich, Heinrich). Allerdings dürfte der Querbalken darauf hindeuten, dass die Siegel Theoderich (Dietrich) und Heinrich zuzuweisen sind9:

Die obigen Siegel bzw. Wappen stammen aus dem Jahr 1270 oder 1278. Landau beschreibt allerdings Wappen Heinrichs v. W. aus 1252 und die der beiden ‚Friedriche‘ aus 1328 und 1353. Das Dokument aus 1328 ist vorhanden, das Siegel aber beschädigt. Dokumente aus 1252 und 1353 sind bisher nicht auffindbar.

Das Wappen der von Angersbach

Unser Karl Maurer schreibt in den Lauterbacher Heimatblättern 1943: „Leider ist das Wappen des Geschlechts „von Angersbach“ nicht bekannt, sonst könnte man aus dem Vergleich mit dem Wartenberger evtl. weitere Schlüsse ziehen“.10

Das Wappen der „von Angersbach“ ist (mittlerweile) bekannt. Und zwar war ein Conrad von Angersbach Präzeptor11 des ehemaligen Antoniterklosters in Grünberg.

Er starb 1477 und seine Grabplatte zeigt das Wappen der „von Angersbach“. Die Website des Hessischen Instituts für Landesgeschichte (LAGIS) schreibt hierzu: „Der Wappenschild, sicherlich der Familie von Angersbach zugehörig, zeigt einen Wellenschrägbalken.“12 Zumindest dieses Rätsel scheint damit gelöst:

Das Geschlecht derer „von Angersbach“ ist somit tatsächlich in dem „von Wartenberg“ aufgegangen, wobei beide Namen (von Wartenberg und von Angersbach) in unserer Gegend noch nebeneinander bis mindestens 1336 auftauchen:

Wappen und Flagge für Angersbach

Der Gemeinde Angersbach wurde dann das Recht zur Führung eines Wappens (1951) und einer Flagge (1963) verliehen.13

Gemeinde Wartenberg übernimmt das Wappen

Nach dem Zusammenschluss Angersbachs und Landenhausen zur Großgemeinde Wartenberg im Jahr 1972 wurde das Angersbacher Wappen als Wappen der Gemeinde Wartenberg im Jahr 1978 übernommen.14

Übrigens: Das Original der oben abgebildeten Wappenapplike kann heute neben vielen anderen Fundstücken der Ausgrabungen im Hohhaus-Museum in Lauterbach betrachtet werden. Dort gibt es sogar ein eigens eingerichtetes Wartenberg-Zimmer.

  1. Burgruine Wartenberg, S. 29. ↩︎
  2. Wagner, Die Wüstungen im Großherzogthum Hessen, S. 432. ↩︎
  3. Landau, Hessische Ritterburgen, S. 373. ↩︎
  4. Wikipedia. ↩︎
  5. Siehe auch Knodt, verschwundene Adelsgeschlechter des Kreises Lauterbach, S. 20, der auch davon ausgeht, dass Theoderich und Dietrich dieselbe Person sind. ↩︎
  6. Die Jahreszahlen gehen in den verschiedenen Büchern auseinander. Baur, Hessische Urkunden, schreibt 1278 (S. 168); ebenso Knodt, Verschwundene Adelsgeschlechter, unter Bezug auf Baur (S. 5); das Hessische Staatsarchiv gibt 1270 an (Arcinsys). ↩︎
  7. LAGIS Hessen ↩︎
  8. Baur, Hessische Urkunden, S. 168; Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Arcinsys. ↩︎
  9. Baur, Hessische Urkunden, schreibt auf S. 168: „Gesiegelt hat der Aussteller (also Theoderich) und sein Sohn Heinrich. Die Siegel hängen nur in kleinen Stückchen noch an.“ ↩︎
  10. Maurer, von den Außenstellen des Lauterbacher Museums, Heimatblätter, 1943, 3. Folge, Nr. 62, S. 2. ↩︎
  11. Klostervorsteher. ↩︎
  12. Website von LAGIS; siehe auch Knodt, verschwundene Landadelsgeschlechter des Kreises Lauterbach, Heimatblätter 1952, Nr. 6/7. ↩︎
  13. Abbildungen: Bilder von Wappen und Flagge: Hessisches Staatsarchiv Darmstadt Arcensys; Bekanntmachungen aus Staatsanzeiger Hessen, 1951, Nr. 28, S. 388 (Wappen) und Staatsanzeiger Hessen 1963, Nr. 22, S. 614 (Flagge) ↩︎
  14. Abbildung: Staatsanzeiger Hessen 1978, Nr. 27, S. 1249; Burgruine Wartenberg, S. 29. ↩︎