Was nach der Zerstörung geschah
Wie es nach 1265 weitergeht

Für viele endet die Geschichte der Herren von Wartenberg und Abt Bertho sowie der Burg mit deren Zerstörung im Jahr 1265. Aber was ist aus den Beteiligten der Stiftsfehde geworden?

Die Herren von Wartenberg überleben

Anscheinend konnten Dietrich und Heinrich von Wartenberg rechtzeitig flüchten, so dass sie zumindest bei der Erstürmung der Burg nicht ums Leben kamen. Denn schon ein Jahr später, am 16. März 1266, schließt Abt Bertho mit Dietrich und Heinrich einen „Friedensvertrag“:

„Wir Bertho von Gottes Gnaden Abt der Kirche Fulda machen aller Welt bekannt, daß mit Zustimmung des Dekans Bertho und unseres Konvents zwischen uns und Dietrich und Heinrich, Brüdern von Warthenberg, folgender Vertrag geschlossen worden ist:

Wartenberg bekommt halb Lauterbach als Trostpreis1

Wir übertragen genannten Brüdern die Hälfte des uns gehörigen Dorfes Lauterbach als Lehen, mit Ausnahme unserer beiden Allodialgüter samt deren Zubehör wie auch mit Ausnahme des Zolles und jeglichen Rechtes, das bekanntermaßen unser Kirchenkämmerer in genanntem Dorfe hat. Die genannten Brüder dagegen geben uns die Hälfte der Vogtei in diesem Dorf zurück und verzichten freiwillig darauf zu unseren Gunsten.

Und Lauterbach bekommt eine Burg

Zusammen mit den genannten Brüdern werden wir in diesem Dorf auf gemeinsame Kosten eine Befestigung beziehungsweise Stadt errichten, deren Vorwerk beziehungsweise Turmburg wir in den drei ersten .Jahren allein besetzen werden, dann aber, wenn genannte Brüder innerhalb dieser drei Jahre sich uns und unserer Kirche gegenüber so benehmen, daß sie nicht mehr von unsern und unserer Kirche Diensten abweichen, werden sie zusammen mit uns das genannte Vorwerk beziehungsweise die Turmburg besetzen. Es wird weiter bestimmt, daß wir und die genannten Brüder in der erwähnten Festung beziehungsweise Stadt gemeinsam einen Amtmann einsetzen, der alle Einkünfte zwischen uns und jenen gleich teilt und verwaltet. Außerdem werden wir in die genannte Festung oder Stadt keinen den genannten Brüdern gleich edlen oder mächtigen Burgmann ohne deren Zustimmung und Billigung einsetzen. Alle diese Bestimmungen werden von uns, unserer Kirche und den genannten Brüdern besiegelt.

Zeugen dieses Aktes sind Dekan Bertho, Kellermeister Albert, Kustos Konrad, Konrad von Fischborn (Visburnen), Rabenold, Heinrich von Maar (Anm.: sowie Theodoricus und Wigandus von Maar), Friedrich von Lauterbach. Gegeben und vollzogen im Jahre des Herrn 1266, am 17. Tag vor den Kalenden des Aprils (= 16. März)“.23

Noch 14 andere Burgen werden geschleift

Abt Bertho zerstörte nicht nur die Wartenbach, sondern weitere 14 Burgen um das Jahr 1265 . Darunter Blankenwalt5, Burgen bei Grebenau und Geisa, sowie die Burg Schlitz, die nach der ersten Schleifung wohl wieder aufgebaut war.6 Auch unsere Nachbar-Burg (Schloss) Eisenbach wurde dann 1269 niedergemacht.

Auch Die Grafen von Ziegenhain schließen 1266 Frieden mit Abt Bertho

Nur der Obervogt, Gottfried von Ziegenhain, blieb wohl weitestgehend unversehrt. Wie das in Fehden oder Kriegen meist ist: Die niederen Ränge bringen letztlich die Opfer.

Bereits 1266 kommt es zwischen Abt Bertho und Gottfried von Ziegenhain zu einem Übereinkommen, das sie, solange sie lebten, „mittelst handgegebener Treue und geleisteten körperlichen Eides beiderseits zu halten versprochen hätten.“8

Und Abt Bertho ?

Bertho ließ einen der gefangenen Ritter, Hermann von Ebersberg, in Fulda hinrichten. Ein Gerlach Küchenmeister führte dies aus, mittels eines Schwerts auf dem Marktplatz in Fulda.9 Abt Bertho hatte sich durch die Zerstörung der Burgen und durch die Hinrichtung des von Ebersberg also viele Feinde gemacht. Unter der Führung der verbliebenen Ebersberger und des Gyso von Steinau wurde ein Racheplan geschmiedet und am 18. März 1271 in die Tat umgesetzt:

Bei den Recherchen habe ich das nebenstehende Stück aus dem Jahr 1899 gefunden, das ihr hier in voller Länge lesen könnt. In dem Ausschnitt bittet Heinz von Ebersberg Abt Bertho darum, seinen Bruder Hermann freizulassen und nicht hinzurichten.

(Sturmius kam mit Bonifatius ungefähr im Jahr 740 nach Fulda und wurde der erste Fuldaer Abt. Daher die Formulierung „gesetzt auf Sturmi Stuhl“).

  1. So die schöne Formulierung von Knodt, verschwundene Adelsgeschlechter des Kreises Lauterbach, S. 5. ↩︎
  2. Übersetzung aus: Friedrich Schwarz, Burgruine Wartenberg, Buchenblätter 1984 Nummer 1, S. 2. Schwarz teilt weiter mit: „Das Original dieser Urkunde befindet sich im Samtarchiv der Riedesel Frhr. zu Eisenbach. Die vorstehende Übersetzung stammt von Dr. K. S. Baron von Galera.“ (Anm: v. Galera verfasste auch Riedesel, Band 4). ↩︎
  3. Knodt, Fn 1, schreibt beim Adelsgeschlecht v. Maar hierzu: „Man hat vermutet , dass diese hier sich v. Maar nennenden Heinrich und Dietrich oder Theoderich vielleicht dieselben seien, die oben in der Urkunde noch als von Wartenberg genannt sind, und die nach Zerstörung der Wartenburg sich nach Maar zurückgezogen hätten. Sei dem, wie es wolle, nach ihnen erscheint 1278 nur noch einmal ein Hermann von Mora (Baur Hess .Urk. I. Nr. 228 ).“
    Auch Witzel, Fuldische Ministerialen, schreibt auf S 232, Fn. 1076 unter Verweis auf Knodt: „Die Vermutung, daß sich die Wartenberger nach der Zerstörung ihrer Burg nach Maar begeben hätten und unter diesem Namen weiterlebten, ist nicht nachweisbar.“ ↩︎
  4. Hilbrig, Die Burgruine Wartenberg, ein Kulturdenkmal am Nordostrand des Vogelsberges, wohl eine Zeitungsbeilage ca. 1982. ↩︎
  5. Bei Blankenau, Gemeinde Hosenfeld. ↩︎
  6. Witzel, Fuldische Ministerialen, S. 83 f. ↩︎
  7. Ziegenhainer Regesten online Nr. 714 (Stand: 10.04.2025). ↩︎
  8. Witzel, die Reichsabtei Fulda und ihre Hochvögte, S. 41. ↩︎
  9. Witzel, fuldische Ministerialen, S. 85. ↩︎
  10. Die Verschwörung zu Steinau, S. 60, die Ausführungen Brouwers widergebend. ↩︎