Die Zerstörung der Wartenbach um 1265

Blanckenwaldt wahre eine mörtergruben, aus welcher dieser Abt eine schul der frommen Jungfrauen gemachet, Frankenstain, Wartenburg, Schwartzenvels und Eysenbach […] [hat Abt Bertholdus v. Leupolds] ausgereutet die mörter alle herausgejagt.1

Hintergrund:

Wir befinden uns im 13. Jahrhundert. Die geistlichen Herren, auch die Fuldaer Äbte, mussten sich in weltlichen Dingen (z.B. Verteidigung) von einem Vogt vertreten lassen. Diese Vögte waren die Grafen von Ziegenhain, die wiederum Untervögte, sogenannte Ministerialen, hatten, also den niederen Adel, wie das auch die Herren von Angersbach waren, bzw. dann Friedrich von Wartenberg.2 Es kam nun dazu, dass über die Jahre die Vögte ihre Macht gegenüber der Abtei Fulda immer weiter ausdehnten. Der ziegenhainische Hochvogt bewies seine Stärke zum Beispiel dadurch, dass er auf dem Boden der Abtei (vermutlich bereits vor 1200) eine Burg baute. Er wird dies mit seiner Verteidigungspflicht gegenüber der Abtei begründet haben. Zwar hätte die Abtei so tatsächlich gegen Widersacher geschützt werden können. Umgekehrt aber musste der Abt eine Vogtburg so nahe an der Abtei als bedrohlich empfinden, da sie gleichzeitig zur Erpressung hätte genutzt werden können.3

1200-1250 Das Verhältnis wird angespannter – Abt Heinrich folgt auf Abt Konrad

Ab dem Jahr 1200 wird das Verhältnis zwischen Abtei und Hochvogt immer angespannter. Die Vögte wollten sich immer mehr auf Kosten der Abtei bereichern.4 Dazu gehörten dann bald auch die Herren von Wartenberg, die um das Jahr 1220 ihre Burg errichteten. Da die Abtei zu sehr nachgab, wurde der Besitz der Abtei immer mehr dezimiert. Zumindest schien zwischenzeitlich eine gewisse ‚Entspannung‘ um das Jahr 1240 einzutreten, da der von 1221 bis 1249 amtierende Abt Konrad bei den Grafen von Ziegenhain für eine Lehnsfrau um Aufnahme in die Lehnschaft bittet. Zeuge dieses Vorgangs wird im Jahr 1240 unser Friedrich von Wartenberg (de Wartenberc) genannt (im nebenstehenden Bild unten zu erkennen ‚enberc‚)5.

Als 1249 Heinrich von Erthal (1249—61) zum Abt von Fulda gewählt wurde, fand er die Verhältnisse der Abtei dann in Unordnung und Verwirrung. In ungefähr dieser Zeit von 1257 bis 1273 (16 Jahre lang) konnte man sich nicht auf einen Kaiser einigen. „Die kaiserlose, die schreckliche Zeit“ – auch Interregnum genannt – wurde zur Redewendung.6 In dieser Zeit spielten sich viele Fehden ab, der Zerfall von Sicherheit und Recht trug zu einem weiteren Erstarken des Raubrittertums bei.

Im Jahr 1249 schließen Abt Heinrich von Fulda und Graf Berthold von Ziegenhain noch ein Bündnis mit der Pflicht zu gegenseitiger Hilfeleistung.7 Aber der Frieden währt nicht lang, bereits 1252 zerstört Berthold von Ziegenhain das der Abtei gehörige Kastell Oberbimbach und kann nur mit Mühe von den Truppen des Abtes Heinrich zurückgeworfen werden.8

1252 Pakt zwischen Heinrich von Wartenberg und Graf Berhold von Ziegenhain – Abt Bertho bekämpft die Raubritter

Graf Berthold von Ziegenhain verbündete sich in der Folge mit 15 seiner Adligen. darunter die von Wartenberg, und wollte in der sogenannten Stiftsfehde dem Fuldaer Abt mehr Befugnisse abtrotzen.9 Die Ziegenhainer Grafen erscheinen also geradezu als Anführer des unbotmäßigen Adels. Als gegen Fulda gerichtet musste das 1252 gegebene Versprechen Heinrichs von Wartenberg angesehen werden, dem Grafen Berthold von Ziegenhain – also dem Zwischenlehensgeber – Hilfe gegen seine Feinde zu leisten und ihm im Kriegsfalle seine Burg zu öffnen, d.h. als militärischen Stützpunkt zur Verfügung zu stellen.10

1261 Bertho von Leipolz, genannt Fingerhut, wird neuer Abt – Zerstörung der Wartenbach 1265

Nach dem Tod von Abt Heinrich beginnt der neue Abt Bertho von Leipolz seine Amtszeit mit der Niederwerfung jener Raubritter (Anm: also der Untervögte), die auf Betreiben der Grafen von Schlitz, Ziegenhain und Rieneck schon seit sieben Jahren das Fuldaer Land in Unruhe stürzten.11 So eroberte Bertho feindliche Burgen und bestrafte diejenigen, die den Landfrieden gebrochen und Räubereien im Fuldaer Territorium begangen hatten. Ihre Zahl soll sich auf ca. 15 belaufen haben.12

Dazu gehörte 1265 neben Schlitz und Blankenwald auch die Wartenbach, die in unmittelbarer Nähe zur Abteigrenze lag.13

Abt Berthold von Leipholz, wegen seiner kleinen Gestalt „Abt Fingerhut“ genannt, zerstörte also im Jahr 1265 die Burg Wartenberg, die sich doch Friedrich von Angersbach, jetzt von Wartenberg, erst vor wenigen Jahren gebaut hatte.14

  1. Buthmann, kulturhistorische Bedeutung, S. 47. ↩︎
  2. Aus Angersbachs Geschichte erzählt, S. 22. ↩︎
  3. Die Reichsabtei Fulda und ihre Hochvögte die Grafen von Ziegenhain, S. 33. ↩︎
  4. Die Reichsabtei Fulda und ihre Hochvögte die Grafen von Ziegenhain, S. 38. ↩︎
  5. Bild und Übersetzung bei LAGIS. ↩︎
  6. Aus Angersbachs Geschichte erzählt, S. 22. ↩︎
  7. Die Reichsabtei Fulda und ihre Hochvögte die Grafen von Ziegenhain, S. 39. ↩︎
  8. Die Reichsabtei Fulda und ihre Hochvögte die Grafen von Ziegenhain, S. 40 ↩︎
  9. Aus Angersbachs Geschichte erzählt, S. 22. ↩︎
  10. Die Wartenberger und ihre Burg, S. 32. ↩︎
  11. Die Fuldaer Äbte und Fürstäbte des Mittelalters, S. 186. ↩︎
  12. Die Fuldaer Äbte und Fürstäbte des Mittelalters, S. 187. ↩︎
  13. Die Wartenberger und ihre Burg, S. 32. ↩︎
  14. Aus Angersbachs Geschichte erzählt, S 22 f. ↩︎
  15. Pfarrer Hermann Knodt in Schlitzer Geschichte, S. 15; Knodt schreibt „zwölfhundertsechzigeins“, hier verbessert in „zwölfhundertsechzigfünf“. ↩︎