Der schwarze Tod in Angersbach
1. bekannte Pestwelle 1611 bis 1612
Das früheste Angersbacher kirchliche Beerdigungsregister beginnt mit dem Jahr 1609. Die Pfarrer hatten darin nicht nur die Namen der Verstorbenen und teils deren Berufe aufgeführt. Auch wichtige Ereignisse wurden dokumentiert. Solch ein wichtiges Ereignis war der Ausbruch einer Pest-Epedemie im Oktober 1611.
Zum Vergleich zunächst die „normalen“ Sterbefälle der Vorjahre:
1609: 14
1610: 19
1611 bis zum 11. Oktober: 16

Ab Ende Oktober 1611 überschreibt Pfarrer Beyenbach die Eintragungen mit: „Tempore pestis“. Ab diesem Zeitpunkt sind 7 Seiten des Kirchenbuchs, eng beschrieben, mit Toten gefüllt. Insgesamt sind es vom 25.10.1611 bis zum 14.11.1612, also in einem Jahr: 388 Tote.

Ende 1612 ging die Pest-Welle zu Ende und der Pfarrer notierte: “Hic pestis finem fecit” (hier machte die Pest Schluss).
2. Pestwelle 1625 bis 1629
Das zweite Auftreten des Schwarzen Todes fiel dann in die Zeit des dreißigjährigen Krieges. Vom Sommer 1625 bis Ende August 1629 hatte Angersbach erneut 28 Pesttote zu beklagen. Dabei traten oft größere Unterbrechungen ein, so daß eigentlich nicht von einer Epidemie gesprochen werden kann.1
3. Pestwelle 1635

Schlimmer war wieder die dritte und letzte Pestzeit, in der in den knapp drei Monaten von Anfang August bis Ende Oktober 1635 noch einmal 133 Menschen hingerafft wurden. In dieser Pestwelle verstarb im Oktober 1635 auch Pfarrer Conrad Möller an der schrecklichen Krankheit.

Ganze Familien ausgelöscht
Die Seuche im Oktober 1611 nahm ihren Anfang im Haus eines Zimmermannes, des Meisters Hans. Als erste starb am 25. Oktober 1611 die Ehefrau und Mutter, es folgten innerhalb weniger Tage der Sohn Andreas, die Tochter Apollonia, der Vater selbst, dann auch noch der Sohn Heinrich und schließlich die Tochter Engel. Am 18. November scheint niemand mehr von dieser Familie am Leben gewesen zu sein.2
Otto Schnell zu den Todeszahlen:
„Insgesamt starben also in unserem Dorfe innerhalb von 24 Jahren 557 Menschen an der Pest. Wenn wir von den im riedeselschen Türkensteuerregister von 1594 angegebenen 142 Feuerstellen ausgehen und jede Familie durchschnittlich mit sechs Personen annehmen, so hätte Angersbach zu Beginn des 17. Jahrhunderts ungefähr 850 Einwohner gehabt. Nach dieser Rechnung wären 2/3 aller Angersbacher Opfer des Schwarzen Todes gewesen. Erstaunlich ist, daß trotz Pest- und schwerer Kriegszeit die Zahl der Geburten in diesen schrecklichen Jahren nicht absank. Sie lag im Durchschnitt zwischen 35 und 40 jährlich.“3
Den starken Geburtenzahlen ist es also zu verdanken, dass sich die Einwohnerzahl wieder erholen konnte.
